DDR Zeitzeuge am Gymnasium Buchloe

Joachim Rudolph und Martin Waizbauer im Gespräch
Joachim Rudolph berichtet vom Leben in der DDR

Nicht immer fällt ist es im Unterricht leicht den Schülerinnen und Schülern Geschichte so zu vermitteln, dass ihnen die Bedeutung für ihre eigene Lebenswirklichkeit deutlich wird. Am Donnerstag, den 11.07.2019 war dies anders.

Herr Joachim Rudolph war als Zeitzeuge zu Gast im Gymnasium Buchloe, um mit der 11. Jahrgangsstufe über das Thema Flucht aus der DDR ins Gespräch zu kommen und von seinem bewegten Leben zu berichten.

In einem sehr persönlichen Gespräch konnten die Schülerinnen und Schüler dort „Geschichte hautnah“ erleben und angesichts der Parallelen zur heutigen Zeit viel über Fluchtursachen und die Unterschiede eines Lebens in einer Diktatur oder einer Demokratie lernen.

1938 im heutigen Polen geboren, verschlug es Herrn Rudolph am Ende des 2. Weltkrieges zusammen mit seiner Familie nach Berlin. In der 1949 gegründeten DDR wurde er zunächst als 14jähriger Junge Zeuge des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, um schließlich mit dem Mauerbau den Entschluss zu fassen, für seine persönliche Freiheit zu fliehen. Etwa sechs Wochen nach dem Mauerbau gelang ihm Ende September 1961 die Flucht über die Grenze nach West-Berlin. Dort angekommen schloss er sich einer Gruppe von „Tunnelbauern“ an, die versuchten unter der Mauer hindurch durch den Bau von Tunnels Menschen aus Ostberlin nach West-Berlin zu schleusen. So war er beim damals längsten gelungenen Tunnelprojekt seiner Zeit, dem „Tunnel 29“, beteiligt und konnte mit seinen Helfern 29 Menschen den Weg in die Freiheit ermöglichen. Er berichtete unseren Schülerinnen und Schülern davon, dass sie sich dabei sogar bewaffneten, um auf die Bedrohung durch die Stasi reagieren zu können.

Seit Ende der 90er Jahre engagiert sich Herr Rudolph in Zeitzeugengesprächen, gibt Interviews für TV-Aufzeichnungen und begleitet Führungen an die Orte der Fluchttunnel. Für die Schülerinnen und Schüler unserer Q11 war es daher ein besonderes Erlebnis, Fragen zu seinem Werdegang und zu seinen Ansichten über die ehemalige DDR stellen zu können.

Die Fachschaft Geschichte bedankt sich herzlich bei Herrn Rudolph für sein Engagement und bei den Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe für ihr reges Interesse.